Kooperation mit Künstler Emanuel Mathias: fieldwork 1, aus der Arbeit 'Entscheidung für eine angemessene Entfernung'

Das Projekt 'Die Affekte der Forscher' kooperiert mit dem Foto- und Videokünstler Emanuel Mathias. Im Folgenden stellt er sein Projekt vor.

22.04.2015

fieldwork 1, filmstill Emanuel Mathias
fieldwork 1, filmstill Emanuel Mathias
fieldwork 1, filmstill Emanuel Mathias
fieldwork 1, filmstill Emanuel Mathias

»Es gibt eine Perspektivität und Parteilichkeit von Wissen.[...] Man muss weg von einer Universalsprache oder auch einen zentral-perspektivischen Standpunkt, hin zu einem Standpunktgeflecht, welches unterschiedliche Arten der Übersetzung beinhaltet.« (aus Donna Haraway, Die Neuerfindung der Natur: 1995: 95)
 

In der 4-Kanalvideoinstallation fieldwork 1 aus der Arbeit Entscheidung für eine angemessene Entfernung wurde ein Forschunsgprojekt von Primatologen und Ethnologen nach Indonesien begleitet. In der Beobachtung des Beobachters wurden die Forscher selbst zum Untersuchungsobjekt, anhand dessen der Frage nachgegangen werden sollte, inwieweit ein komplexer Forschungsprozess im Feld mit künstlerischen Mitteln sichtbar gemacht werden kann. Hauptthese der Arbeit ist, dass in der filmischen Wiederherstellung einer beobachteten Situation in Form einer synchronisierten, zeitgleichen Darstellung verschiedener Blickwinkel auf das selbe Ereignis eine neue Form der Wahrnehmung entsteht, in der sich die Hierarchie zwischen Beobachter und dem Beobachteten auflöst.

Die künstlerische Arbeit Entscheidung für eine angemessene Entfernung beschäftigt sich mit dem Nähe-Distanzverhältnis von VerhaltensforscherInnen in der Primatologie. In der Untersuchung und Aneignung wissenschaftlicher Methoden, wie die des Beobachtens von Verhaltensweisen im freien Feld (Natur, Dschungel) sowie in der Recherche in den persönlichen Archiven von Primatologen soll der sonst unsichtbare Beobachter (Forschende), wie auch der Beobachter des Beobachteten (Künstler) in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden. Dabei geht es um eine erweitere Nutzung und Neuinterpretation von wissenschaftlichen Datenmaterial in einem künstlerischen Kontext, bei dem der Fokus auf der Darstellung des Forschens als einen stark subjektiven Vorgang liegt. Gleichzeitig werden die individuellen Wahrnehmungsvorgänge im Feld in einer filmischen, multiperspektivischen Herangehensweise erfahrbar gemacht. Anhand einer raumgreifenden multimedialen Installation für einem Ausstellungsraum werden die verschiedenen textbasierten, auditiven und visuellen Perspektiven in einem korrespondierenden Charakter zueinander gesetzt und sollen den Betrachter eine neue Form der Wahrnehmung von Forschung ermöglichen.

  

Emanuel Mathias
Künstler, assoziierter Projektpartner
Affekte der Forscher

Adresse: Spinnereistraße 7, PF 220, 04179, Leipzig
Telefon: 034192712577

E-Mail: info@emanuelmathias.com
Homepage: www.emanuelmathias.com

 

Publikationen: (Auswahl)

Art Laboratorium - Tagungsband, Transkript Verlag Bielefeld, 2015 (Beteiligung)

C/O Berlin Talents 32: Emanuel Mathias/Sabine Weier: Kunst, Freiheit und Lebensfreude, Hrsg.  C/O Berlin, Kehrer Verlag, Heidelberg, April 2015

Bildarchive 22, Emanuel Mathias, Herausgeber: spinnerei archiv massiv, Leipzig, 2014

KINO und der kinematografische Blick: Friedemann Hahn, Omer Fast, Romeo Grünfelder, Emanuel Mathias, Jana Müller, Georg Parthen, Martina Sauter, John Stezaker, Clemens von Wedemeyer und Ming Wong, Herausgeber: Axel Lapp, Kunsthalle Memmingen, 2013

Nebahats Schwestern: Marion Ermer Preis 2011, The Green Box Verlag Berlin, 2011