Die affektive Dimension sozialer Ungleichheit: Sozialwissenschaftliche und psychologische Perspektiven

Workshop zur Soziologie der Emotionen

29.09.2011

Organisation: Christian von Scheve (FU Berlin), Jürgen Schupp (SOEP/DIW Berlin)

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Die Soziologie der Emotionen postuliert weitreichende Zusammenhänge zwischen sozialer Struktur, Kultur und Emotionen, wobei Emotionen sowohl als von der sozialen Umwelt abhängige Variable betrachtet werden als auch deren Funktion für das Soziale hervorgehoben wird. Die Positionierung in der Gemeinschaft, der Grad der gesellschaftlichen Integration sowie die Qualität und Dichte der Beziehungen beeinflussen das Erleben von Emotionen nachhaltig. Umgekehrt wirken emotionales Empfinden sowie insbesondere die Beherrschbarkeit der emotionalen Gefühle ebenfalls auf die genannten Attribute von (sozioökonomischem) Status. Beide Prozesse sind keinesfalls als statisch anzusehen, sondern unterliegen vielmehr biographischen Schwankungen und werden durch unterschiedliche Ereignisse in verschiedenen Bereichen geprägt.

Die skizzierten Prozesse und Zusammenhänge konnten bereits im Rahmen der Forschung zum Subjective Well-Being herausgearbeitet und analysiert werden bzw. sind Gegenstand zahlreicher aktueller Forschungsprojekte. In Anlehnung an diesen Forschungszweig soll nun detailliert untersucht werden, ob und inwieweit Parallelen zum affektiven Empfinden gezogen werden können. Geht ein höherer sozialer Status mit einem geringeren Erleben von negativen Emotionen wie Angst oder Ärger einher? Bedeutet im umgekehrten Fall ein niedriger sozialer Status gleichsam ein häufigeres Erleben negativer Emotionen? Welche Faktoren sind in diesem Zusammenhang außerdem bedeutend? Welche Rolle spielen Persönlichkeitseigenschaften im Gefüge zwischen emotionalem Empfinden und sozialstruktureller Positionierung? Wie stabil sind diese Verknüpfungen im Lebensverlauf und welche Strategien können im Umgang mit einschneidenden Erlebnissen beobachtet werden?

Programm

Emotionen und Sozialtheorie: Aktuelle Forschungsfragen

Rainer Schützeichel (LMU München, Institut für Soziologie)

Veränderungen der Lebenszufriedenheit nach Lebensereignissen

Maike Luhmann (University of Chicago, Department of Psychology)

Angst und Ärger: Dimensionen sozialer Ungleichheit

Christian von Scheve, Jürgen Schupp & Katja Rackow (FU Berlin, Institut für Soziologie, DIW Berlin)

Affektdynamik von der Jugend bis ins Alter: Ein längsschnittliches Experience-Sampling Projekt

Michaela Riediger (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung)

Das Stabilitätsparadox affektiven Wohlbefindens

Ute Kunzmann (Universität Leipzig, Institut für Psychologie)

Zufriedenheit und Erwerbsstatus: ein Vergleich von Arbeitslosen, Erwerbstätigen und Teilnehmern an 1-Euro-Jobs

Andreas Knabe (FU Berlin, FB Wirtschaftswissenschaften)

Abschlussdiskussion