Coolness. Formen und Funktionen kultureller Affektkontrolle in der amerikanischen und japanischen Literatur und Kultur

Zwei Teilprojekte untersuchen das Phänomen der Coolness, zum einen als emotionale Qualität einer globalisierten Jugendkultur und zum anderen als ästhetisches Konzept in Japan.

Coolness in der amerikanischen Kultur

Coolness ist eine emotionale Qualität, die sich heute in Verhaltensformen und Mode einer globalisierten Jugendkultur manifestiert, die ihren ästhetischen Ausdruck aber auch in spezifischen Formen der Kunst, Musik und Literatur findet. Das Projekt untersucht die Geschichte dieses Begriffs als Markierung eines Stils der Affektkontrolle und Dissidenz.

Die Durchsetzungskraft dieses Konzepts verdankt sich, so die Hypothese des Projekts, einer Amalgamierung zweier unterschiedlicher Semantiken des Gefühlsmanagements: die erste steht im Zusammenhang des Prozesses der Zivilisation bzw. der Modernisierung und der damit einhergehenden Praxis emotionaler Selbstkontrolle; die zweite lässt sich auf die strategische Maskierung von Gefühlen in der afroamerikanischen Kultur als Folge rassistischer Entrechtung in der Sklaverei und anhaltender rassistischer Diskriminierung nach dem Bürgerkrieg zurückführen. Anhand literarischer Texte soll die Geschichte einer wachsenden Interaktion beider Traditionen in der amerikanischen Kultur rekonstruiert und das Wechselverhältnis von coolnessals emotionale Qualität, ästhetische Form und populärkultureller Lebensstil untersucht werden.

"Kühle" in Japan. Eine motiv- und diskursgeschichtliche Untersuchung

Das Projekt untersucht vor dem Hintergrund kultureller Fremd- und Selbstbeschreibungen Formen und Funktionen literarischer und kultureller Repräsentation von "Kühle" in Japan. Wie lässt sich der indigene japanische (ästhetische) "Kühle"-Diskurs charakterisieren? Welche Transformationen hat er im Modernisierungsprozess und durch die Rezeption amerikanischer coolness erfahren?"Kühle" spielt in der japanischen Kultur und Literatur als Inszenierungsstrategie, Kommunikationsmodus, Ideal, Ware, Lebensstil sowie ästhetisches Konzept eine wichtige Rolle; umso mehr verwundert es, dass es in der westlichsprachigen Japanologie und in der japanischen Forschung noch keine Studie zu diesem Thema gibt. Dieses Projekt entwirft einen Rahmen, der sowohl kultur- und literaturgeschichtlichen als auch gesellschaftsanalytischen, d.h. historischen und strukturellen Perspektiven von "Kühle" in Japan Rechnung trägt. In Bezugnahme auf japanische kulturphilosophische bzw. kulturtheoretische Schriften und literarische Werke sollen in synchroner und diachroner Hinsicht ästhetische Ausformungen und kommunikative Funktionen von "Kühle" identifiziert werden. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der kulturellen und literarischen Repräsentation von coolness in Japan, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Rezeption amerikanischer Kultur als eine moderne Form der Affekt- und Emotionskontrolle herausgebildet hat.

Publikationen

Gersdorf, C. (2013). Kinds of Cool: Emotions and the Rhetoric of Nineteenth Century American Abolitionism. Haselstein, U., Hijiya-Kischnereit, I., Gersdorf, C., Giannoulis, E. (Eds.). The Cultural Career of Coolness. Lanham u.a.: Lexington Books. 81-108.

Gersdorf, C. (2013). Early American Cool: Benjamin Franklin, Thomas Jefferson and the Affective Foundation of Republican Government. Nicolaisen, P., Spahn, H. (Eds.). Cosmopolitanism and Nationhood in the Age of Jefferson. Heidelberg: Winter- 195-224.

Giannoulis, E. (2913). Iki: A Japanese Concept of Coolness? Haselstein, U., Hijiya-Kischnereit, I., Gersdorf, C., Giannoulis (Eds.). The Cultural Career of Coolness, Lanham u.a.: Lexington Books. 215-236.

Haselstein, U. (2013). The Cultural Career of Coolness. Haselstein, U., Hijiya-Kischnereit, I., Gersdorf, C., Giannoulis (Eds.). The Cultural Career of Coolness, Lanham u.a.: Lexington Books. 61-80.

Haselstein, U., Hijiya-Kirschnereit, I., Gersdorf, C., Giannoulis, E. (Eds.) (2013): The Cultural Career of Coolness: Discourses and Practices of Affect Control in European Antiquity, the United States, and Japan, Lanham u.a.

Hijiya-Kirschnereit, I. (2013). Is Japan Cool? Haselstein, U., Hijiya-Kischnereit, I., Gersdorf, C., Giannoulis (Eds.). The Cultural Career of Coolness, Lanham u.a.: Lexington Books. 155-180.