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Faszination. Historische und empirische Konzeptionen einer ästhetischen Emotion (301)

Mitarbeiter/innen:

Was lässt uns wie gebannt ein Bild betrachten? Was lässt uns ein Buch immer wieder lesen? Faszination ist ein emotional grundierter Zustand anhaltender Aufmerksamkeit, dessen Geschichte und psychologisches Profil kaum untersucht ist.

Schon in der Antike wird von ästhetischen Erlebnissen berichtet, die sich als spezifische Mischung aus Staunen, starker Attraktion und latenter Abwehr umschreiben lassen. Seit dem 19. Jahrhundert wird diese emotionale Qualität als Faszination bezeichnet.

Ausgehend von jüngeren philosophischen und psychologischen Konzeptionen von Faszination entwickelt das Projekt historische und empirische Zugänge zu dieser kaum erforschten ästhetischen Emotion. Eine Begriffsgeschichte wird erarbeitet.

Die Arbeit wird in drei Teilprojekten durchgeführt: Untersucht werden literarische und theoretische Texte des Mittelalters und des 18. und 19. Jahrhunderts. Zudem wird angestrebt, auf Basis theoretischer Konzeptionen und explorativer Studien ein emotionspsychologisches Modell von Faszination zu entwickeln und in Rezeptionsstudien empirisch zu überprüfen. Faszination wird vorläufig als insgesamt positive emotionale Reaktion auf eine widersprüchliche Bewertung von Umweltreizen angesehen, die zur Aufrechterhaltung dieses Zustandes motiviert.

Martin Baisch: Faszination, Neugier und Spannung im höfischen Roman des Hoch- und Spätmittelalters

Andreas Degen: Faszination als poetologische Denkfigur im 18. und 19. Jahrhundert

Jana Lüdtke: Explorative und experimentelle Untersuchung zur Faszination als Rezeptionsphänomen

Publikationen

Baisch, M. (2013). Medien der Faszination im höfischen Roman. Baisch, M., Degen, A., Lüdtke, J. (Eds.). Wie gebannt. Ästhetische Verfahren der affektiven Bindung von Aufmerksamkeit. As if Spellbound. Affective Attention Fixation in Aesthetic Practice. Freiburg: Rombach. 217-238.

Degen, A. (2013). Ästhetische Faszination nach Kant. Baisch, M., Degen, A., Lüdtke, J. (Eds.). Wie gebannt. Ästhetische Verfahren der affektiven Bindung von Aufmerksamkeit. Freiburg: Rombach.

Lüdtke, J., Jäkel, A., Ordonez Acuna, D. (2013). Self reported fascination experiences Approaches to an unexplored emotion. Baisch, M., Degen, A., Lüdtke J. (Eds.). Wie gebannt. Ästhetische Verfahren der affektiven Bindung von Aufmerksamkeit. As if Spellbound. Affective Attention Fixation in Aesthetic Practice. Freiburg: Rombach. 309-344.

Degen, A. (2012). Leidenschaftliche Aufmerksamkeit. Verblendung als Grenze und Bedingung des Ästhetischen bei Georg Friedrich Meier. Eickenrodt, S. (Ed.). Blindheit. Zur Genealogie eines Topos in Literatur und Ästhetik. Würzburg: Königshausen & Neumann.

Baisch, M. (2012). Immersion und Faszination. LiLi 167. 63-81.

Baisch, M. (2012). Neugier in Wolframs ‚Parzival’. Eine Skizze. Schiewer, H. J. (Ed.). Höfische Wissensordnungen. Göttingen: V&R. unipress.

Degen, A. (2012). Ästhetische Faszination, erläutert an Reisebeschreibungen vom Vesuv. Peitsch, H. (Ed.). Reisen um 1800. 107-124. München: Meidenbauer.

Degen, A. (2012). Concepts of fascination, from Democritus to Kant. Journal of the History of Ideas 73. 371-393.

Degen, A. (2012). Sokrates fasziniert. Zu Begriff und Metaphorik der Faszination (Platon, Ficino, Nietzsche). Archiv für Begriffsgeschichte 53.

Baisch, M. (2010). Faszination als ästhetische Emotion im höfischen Roman. Kasten, I. (Ed.). Machtvolle Gefühle. FU Berlin. Berlin, New York: De Gruyter.

Baisch, M. (2010). Vorausdeutungen. Neugier und Spannung im höfischen Roman. Haferland, H., Meyer, M. (Eds.). Historische Narratologie – Mediävistische Perspektiven. Berlin, New York: De Gruyter.