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Liebe bei Heidegger und Arendt

Gegenstand dieser Dissertation sind die in der Forschung bisher nur marginal behandelten philosophischen Liebesbegriffe von Martin Heidegger und Hannah Arendt.

Projektnr.: G 111

Tatjana Noemi Tömmel

Der vorherrschenden Tendenz, das Thema "Liebe" bei Arendt und Heidegger auf ihr persönliches Verhältnis zu beziehen, entgegengesetzt, ist es das Anliegen der Untersuchung, eine biographische Entkontextualisierung der bei Arendt und Heidegger thematisierten Liebe vorzunehmen, um sie als philosophischen Begriff interpretieren zu können.

Diese Untersuchung baut auf den Grundlagen auf, die ich in meiner Magisterarbeit "...wer anders als die Liebenden?" Der Liebesbegriff bei Hannah Arendt und Martin Heidegger (2008) gelegt habe. Deren Erkenntnisinteresse bestand darin, die verstreuten Äußerungen zur Liebe beider Denker zu systematisieren und ihre distinkten Merkmale herauszuarbeiten, um den Begriff zunächst auf einer grundlegenden Ebene zu füllen.

Die Dissertation soll diese Grundlage erweitern und vertiefen. Neben Systematisierung und Rekonstruktion beider Liebesbegriffe soll außerdem auf deren Genese und auf Differenzen zwischen publiziertem und nicht publiziertem Werk eingegangen werden. Klüfte und Widersprüche zwischen monologischen Notizen, dialogischen Briefen und Schriften, die an eine prinzipiell unbekannte und unbeschränkte Öffentlichkeit adressiert sind, zwischen öffentlicher Ausklammerung und privater Zentralstellung der Liebe, gilt es bei beiden Autoren nicht psychologisch biographisch, sondern aus dem Gesamtzusammenhang ihres Denkens selbst zu bedenken und zu erklären.

Die Wurzeln der irritierenden Momente, der blinden Flecken und Selbstwidersprüche in den Liebestheorien von Arendt und Heidegger sollen freigelegt und ihre philosophischen Konsequenzen diskutieren werden. Neben dem Einfluß der generischen Spezifika werden die Liebeskonzeptionen durch ausdrückliche oder verdeckte Referenzen auf bestehende Liebesmodelle geformt. Eine Erhellung dieser intertextuellen Bezüge soll der Analyse größere Tiefenschärfe verleihen: wie und mit welchen Konsequenzen werden bestehende Topoi rezipiert, variiert und mit eigenen Gedanken verschmolzen?

Der Vergleich der Liebeskonzepte beider Autoren soll auch den verdeckten Dialog zu Tage fördern, den Hannah Arendt über ein halbes Jahrhundert hinweg mit Heidegger führte. Der Vergleich wird nicht nur die intensive Auseinandersetzung Arendts mit Heidegger zeigen, sondern auch, daß von „unübersehbarer Unselbständigkeit“ (Dieter Thomä), die ihr immer noch bescheinigt wird, keine Rede sein kann. Vielmehr erhellen und ergänzen sich die sich immer wieder kreuzenden Denkwege beider wechselseitig.

Disziplin

Philosophie

Betreuer

Prof. Dr. Hilge Landweer

Prof. Dr. Axel Honneth