Schmerz im Zeichen ästhetischer Erfahrung bei Charles Baudelaire

Untersuchung der literarischen Inszenierungen körperlichen und seelischen Schmerzes bei Charles Baudelaire unter Einbeziehung ihrer ästhetischen, medizinhistorischen, theologischen und anthropologischen Implikationen.

Projektnr.: G 102

Christoph Groß

Gegenstand der Untersuchung sind die literarischen Inszenierungen körperlichen und seelischen Schmerzes bei Charles Baudelaire unter Einbeziehung ihrer ästhetischen, medizinhistorischen, theologischen und anthropologischen Implikationen.

Bei Baudelaire wird der Einbruch heftigen Schmerzes als Irritation der ästhetischen Wahrnehmung problematisiert. Angesichts der Vorstellung einer gesteigerten Irritabilität von Wahrnehmungsapparat und Nervensystem, werden Schmerz und Aisthesis zusammengedacht. Im Schmerzereignis potenziert sich die Intensität ästhetischer Wahrnehmung und kulminiert in der Erfahrung des nervlichen Schocks.

Indem die schöpferische Einbildungskraft bei Baudelaire ‚Korrespondenzen‘ zwischen dem Sensiblen und dem Geistigen herstellt, projiziert sie auf die Inhalte der Sinnesempfindungen semantische Informationen und affektive ‚Besetzungen‘, die ihre lyrische Transformation und Transfiguration ermöglichen. Auf diese Weise wird Schmerz internalisiert, vergeistigt und in ein kognitives, sprachlich darstellbares Artefakt umgewandelt.

Unter dem Vorzeichen eines religiös inspirierten Dolorismus wird Schmerz schließlich zur intimen Erfahrung einer emphatisch erlebten Innerlichkeit umgedeutet, welche die wesenhafte Alterität des Schmerzes aufhebt: „Ma Douleur, donne-moi la main ; viens par ici“ (Recueillement).

So wird der von außen kommende Schmerz in ein hermetisches Inneres überführt und auf eine Weise emotional und kognitiv besetzt, durch die er zum Mittel der Weltflucht sowie zum Organon einer Offenbarung von Transzendenz innerhalb der Immanenz des Ästhetischen wird.

Disziplin

Literaturwissenschaft

Betreuer

Prof. Dr. Julia Kriesteva (Paris VI)

Prof. Dr. Joachim Küpper