Wütende Texte. Die Sprache aggressiver Emotionen in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts

Wie wird sprachlich geäußerte Wut literarisch vermittelt? Welche Funktion hat das und wie sind Unterschiede zu deuten? Die Analyse legt je aktuelle Konzepte einer Emotion und deren Beziehung zur semiotisch-symbolischen Praxis frei.

Projektnr.: G 211

Alfred Alexander Stumm

Wut oder Zorn werden in unserer Kultur als ambivalent angesehen. In stoisch-christlicher Tradition werden sie vielfach sogar rein negativ bewertet und unmittelbar mit Gewalt assoziiert. Die Studie begreift diese Gefühle hingegen primär als funktionale Kommunikationsformen. Als solche prägen sie literarische Werke nicht bloß in Gestalt erzählter, wütender Figurenhandlungen, sondern auch als rein sprachliche Wut – als Wut oder Wüten des Textes. Es handelt sich dabei wesentlich um Phänomene der Figuren- oder Erzählerrede. Poetische und rhetorische Aspekte konvergieren hier also.

Das Hauptaugenmerk gilt der impliziten sprachlichen Präsentation aggressiver Emotionen in gattungsübergreifend ausgewählten deutschsprachigen Texten des 20. Jahrhunderts. Am Einzelgegenstand wird zunächst das je eigene Zusammenspiel formaler und semantischer Faktoren zur Vermittlung dieser Gefühle herausgearbeitet. Daran anknüpfend stellen sich Fragen textinterner und -externer Pragmatik. Die Synthese der Ergebnisse soll schließlich das Spektrum eines neuen Begriffs der literaturwissenschaftlichen Forschung konturieren: "wütender Text".

Methodisch operiert das Projekt mit dem Instrumentarium, das der theoretische Diskurs über die ästhetische Erfahrung bereitstellt, und ist darüber hinaus an tradierten und aktuellen emotionstheoretischen Thesen orientiert. Entsprechend wird den Textanalysen ein zuvor zu ermittelndes kulturelles Dispositiv der Emotionsfamilie "Wut" zu Grunde liegen.

Disziplin

Komparatistik

Betreuer

Prof. Dr. Oliver Lubrich

Prof. Dr. Hans Richard Brittnacher