Zwischen Norm und Natur: Bildliche und schriftliche Konzepte von Mutterschaft im Athen des 5. und 4. Jhs. v. Chr.

Die Mutter ist eine höchst emotional besetzte Figur, die eine ungeheure Vielfalt an kulturellen Konzepten in sich fasst und gleichwohl eine geradezu archetypische Größe darstellt.

Projektnr.: G 312

Viktoria Räuchle

Die Mutter ist eine höchst emotional besetzte Figur, die eine ungeheure Vielfalt an kulturellen Konzepten in sich fasst und gleichwohl eine geradezu archetypische Größe darstellt. Diese Einheit in der Vielheit macht sie zum idealen Objekt der historischen Emotionsforschung. Das Dissertationsprojekt möchte daher die spezifischen Vorstellungen rekonstruieren, die im Athen klassischer Zeit in Bezug auf Mutterschaft und Emotion prägend waren.

Um die Fülle an klassischen Mutterkonzepten zu erfassen, müssen möglichst viele unterschiedliche Bildgattungen (Vasenbilder, Bauplastik, Weih- und Grabreliefs) und Schriftquellen (Tragödientexte, philosophische und medizinische Traktate) herangezogen und nach kulturhistorischen Kriterien interpretiert werden. Fußend auf dieser breiten Materialbasis lässt sich dann erkunden, in welcher Weise die bildlichen und schriftlichen Mutterdarstellungen einerseits die reale Erfahrungswelt der antiken athenischen Gesellschaft widerspiegeln und wie sie andererseits normativ auf Mütter und deren Umgebung zurückgewirkt haben könnten.

Dabei scheinen die antiken Zeugnisse das Phänomen Mutterschaft stets entlang zweier Wirkungsfelder zu reflektieren: Norm und Natur – Nomos und Physis. Unter Berücksichtigung der antiken Körper- und Geschlechterkonzeptionen wird also auch zu erörtern sein, wann und warum bestimmte Aspekte mütterlichen Verhaltens und Fühlens als "kulturell gemacht" bzw. als "angeboren" erachtet wurden.

Disziplin

Klassische Archäologie

Betreuer

Prof. Dr. Johanna Fabricius

Prof. Adrian Staehli (Harvard University)