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Figurationen des Zorns. Rache und das kulturelle Imaginäre

Heißer Zorn und kühle Berechnung gehen bei der Rache auf irritierende Weise oft Hand in Hand. Verschränkungen von Gefühl und Vernunft, Recht und Unrecht, Wirklichem und Imaginärem konstituieren unsere Vorstellung von Rache.

Projektnr.: G 302

Fabian Bernhardt

In der Rache manifestiert sich ein Rechtsempfinden, das ebenso problematisch wie nachvollziehbar erscheint. Einerseits gilt die Rache als "niederer Beweggrund" und moralisch verwerflich - auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Rachehandlungen, denen wir mit Zustimmung, ja sogar mit Bewunderung begegnen. Woher rührt diese Diskrepanz und welchen Aufschluss kann sie darüber geben, wie wir mit Zorn und anderen benachbarten Affekten umgehen? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das kulturelle Imaginäre, das - angefangen von Achilles über den Grafen von Monte Christo bis hin zu Batman - eine Vielzahl an populären Rächergestalten hervorgebracht hat?

Ausgehend von der Annahme, dass der Komplex von Rache und Vergeltung als eine Vermittlungsinstanz fungiert, in der sich verschiedenartige Ordnungen - Recht und Unrecht, Emotionales und Rationales, Wirkliches und Imaginäres - kreuzen und überlagern, versucht das Projekt, die emotionalen und normativen Grundlagen der Rache zu explizieren. Dabei soll gezeigt werden, dass dem Imaginären in Bezug auf die Rache eine wichtige affektregulierende Funktion zukommt, insofern es die Möglichkeit eröffnet, an die Stelle der realen Rachehandlung einen imaginären Vollzug zu setzen. Situiert in einem Grenzbereich zwischen Sozial- bzw. Rechtsphilosophie, philosophischer Emotionsforschung und Ästhetik, trägt das Projekt dazu bei zu verstehen, wie Menschen auf Erfahrungen erlittenen Unrechts reagieren.

Disziplin

Philosophie

Betreuer

Prof. Dr. Hilge Landweer

Prof. Dr. Jan Slaby