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Emotion, Gewalt und Erinnerung in der Aufarbeitung von Bürgerkriegen. Eine kulturvergleichende Untersuchung (310)

Wie werden in ehemaligen Bürgerkriegsgesellschaften (Kambodscha und Timor Leste) vergangene Gewalterfahrungen verarbeitet, kommuniziert und erinnert und welche Emotionen werden in diesen Prozessen artikuliert?

Wie werden in ehemaligen Bürgerkriegsgesellschaften (Kambodscha und Timor Leste) vergangene Gewalterfahrungen verarbeitet, kommuniziert und erinnert und welche Emotionen werden in diesen Prozessen artikuliert?

Ausgehend von der Annahme, dass das Erleben und Erinnern von Bürgerkriegsgewalt  – unabhängig von den jeweiligen sozio-politischen Ursachen – in den beteiligten Akteuren Emotionen wie Trauer, Wut, Schmerz, Hass, Angst, Scham, Schuld aber auch Ekel und Abscheu evoziert, interessieren uns die unterschiedlichen kulturellen Codierungen dieser emotionalen Dimensionen in ihren jeweiligen sprachlichen und performativen Ausformungen. Im Mittelpunkt des Projektes steht die komparative Untersuchung der gesellschaftlichen Artikulationsprozesse von "Gefühlsregeln" in Bezug auf die gewaltvollen Vergangenheiten in Kambodscha und Timor Leste. Welche Emotionen werden in verschiedenen Erinnerungskontexten  - z.B. bei Gedenkfeiern oder  in der Konzeption von Gedenkstätten und Dokumentationszentren  - ausgedrückt und akzentuiert, welche ausgeblendet und unterdrückt? Auf welche Weise verzahnen sich  religiöse Wertorientierungen (z.B. des Theravada-Buddhismus in Kambodscha oder des Katholizismus in Timor Leste) und kulturell tradierte Emotionsmodelle mit global zirkulierenden Trauma- und Aussöhnungsdiskursen?  Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf den Spannungsfeldern, die sich zwischen den Erinnerungs- sowie Emotionsdiskursen der politischen Machthaber und den "Gegendiskursen" derjenigen sozialen Gruppen entfalten, die durch die hegemonialen Erinnerungspolitiken ausgegrenzt und "vergessen" werden. 

In Form ethnografischer Feldforschungen  sollen in den beiden Untersuchungsgesellschaften die auf die Bürgerkriegsgewalt ausgerichteten Emotionsdiskurse sowohl auf der Ebene staatlich-institutioneller  als auch auf der Ebene informaler, lokaler (und individueller) Erinnerungspraktiken untersucht werden. Das übergreifende Projektziel liegt darin, einen empirisch fundierten Beitrag zu den transdisziplinären Diskussionen um Emotion und kommunikatives Gedächtnis zu leisten.

Kooperationspartner: Prof. Dr. Cilja Harders (Politikwissenschaften).

Publikationen

Kumala-Sakti, V. (2011). Erinnerungsarbeit in Osttimor: Das Living Memory Project. Myrttinen, H., Schlicher, M., Tschanz, M. (Eds.). "Die Freiheit, für die wir kämpfen…" Osttimor in der Unabhängigkeit – Ein politisches Lesebuch. 54-57. Berlin: Regiospectra.

Kumala-Sakti, V. (2011). Trauern um das Unfassbare. Myrttinen, H., Schlicher , M., Tschanz, M. (Eds.). "Die Freiheit, für die wir kämpfen…" Osttimor in der Unabhängigkeit – Ein politisches Lesebuch. 48-51. Berlin: Regiospectra.

Kumala-Sakti, V. (2011). Der Weg zur Versöhnung: Die Geschichte eines »Sozialen Vermittlers« in Oecussi. Südostasien. Zeitschrift für Politik, Kultur, Dialog 3. 62-64.