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Dorfansicht Sakafutsy
Dorfansicht Sakafutsy
Bildquelle: Gabriel Scheidecker
Dorfansicht Sakafutsy
Dorfansicht Sakafutsy
Bildquelle: Gabriel Scheidecker

Kultureller Kontext

Die Bara sind neben 17 weiteren ethnischen Gruppen auf dem Inselstaat Madagaskar beheimatet. Trotz der geografischen Nähe der Insel zum afrikanischen Kontinent ist die Sprache der madagassischen Bevölkerung der austronesischen Sparchfamilie zuzuordnen – diesbezüglich besteht also eine Übereinstimmung mit den anderen beiden Untersuchungskulturen des Projektes. Linguistische Vergleiche haben gezeigt, dass die dem Madagassischen am nächsten verwandte Sprache im südlichen Borneo von angehörigen der Dayak-Gruppe gesprochen wird. In der archeologischen Forschung besteht weitgehend Konsens darüber, dass Madagaskar in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends n.Chr. vom indonesischen Raum aus besiedelt wurde. Heute sind neben den indonesischen aber auch deutliche Einflüsse durch afrikanische Bantugruppen, arabische Seefahrer und Händler sowie – in jüngerer und jüngster Zeit -  durch die europäische Inbesitznahme, insbesondere die französische Kolonialisierung festzustellen.

Umwelt und Ökonomie

Das Siedlungsgebiet der schätzungsweise 400.000 Bara – aktuelle Zahlen liegen nicht vor – befindet sich im relativ trockenen Süden der Insel, dessen Flora durch weite Gras- und Baumsavannen geprägt ist, welche teilweise von tropischen Trockenwäldern durchzogen sind. Diesen naturräumlichen Gegebenheiten entspricht die Wirtschaftsform der Bara, welche zum Einen auf extensiver Viehhaltung und zum Anderen auf teilweise künstlich bewässertem Nassreisanbau beruht. Während das indonesische Erbe des Reisanbaus im Wesentlichen die tägliche Ernährung sicherstellt, erfüllt die offenbar von Einwanderern des afrikanischen Kontinents übernommene Viehhaltung vor allem soziale und religiöse Funktionen.

Soziale und religiöse Struktur

Aufgrund der extensiven Wirtschaftsweise bzw. der kargen Umwelt leben die Bara in relativ weit voneinander entfernt liegenden Dörfern, die sich stets am Ufer eines ganzjährig Wasser führenden Flusses befinden. Häufig zählen die Dörfer lediglich 60 bis 100 Einwohner, was der Größe der zentralen sozialen Organisationseinheit der Bara-Gesellschaft entspricht. Dabei handelt es sich um eine patrilineare und patrilokale Abstammungsgruppe (tariky), die sich aus allen direkten Nachkommen einer noch lebenden oder als Ahnengeist gedachten männlichen Person zusammen setzt. Die Beziehungen und Interaktionen der Nachkommen eines gemeinsamen Ahnen sind durch eine direkt vom Alter abhängige Autoritätshierarchie geprägt, wobei dem jeweils Älteren die größere Autorität zukommt.

Da die Autoritätshierarchie die Gemeinschaft der Lebenden transzendiert und in das Reich der Ahnengeister hinein fortsetzt, stehen diese and der Spitze der Hierarchie und repräsentieren die soziale Ordnung. Folglich ist das religiöse Leben der Bara durch symbolische Interaktionen mit den Geistern der verstorbenen Vorfahren aus der väterlichen Linie (fahasivy) geprägt. Während die Beziehungen zwischen Mitgliedern derselben Abstammungsgruppe (einschließlich der Ahnen) also stark hierarchisch organisiert sind, folgen Interaktionen mit Personen anderer Deszendenzgruppen einer ausgesprochen egalitären Logik. Zwar beruhen sie teilweise auch auf Verwandtschaft, diese ist aber nicht patri- sondern vielmehr matrilateral sowie affinal und entsteht durch gegenseitige Verheiratung von Frauen.

Feldforschung

Die zehnmonatige Feldforschung von August 2009 bis Juni 2010 zum Forschungsthema wurde in dem Dorf Sakafotsy durchgeführt, das nur über einen ein- bis zweitägigen Fußmarsch zu erreichen ist. In diesem relativ großen Dorf leben etwa 400 Personen, die insgesamt neun unterschiedlichen Abstammungsgruppen angehören. Da sich das matrilaterale Verwandtschaftssystem der Dorfbewohner über die umliegenden Dörfer erstreckt, wurden auch Bewohner anderer Dörfer in die Feldforschung einbezogen.

Zum Projekt "Sozialisation und Ontogenese im Kulturvergleich"

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