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Die Ostküste von Lanyu
Die Ostküste von Lanyu
Bildquelle: Leberecht Funk
Bemalte Fliesen an der Junior High School auf Lanyu
Bemalte Fliesen an der Junior High School auf Lanyu
Bildquelle: Leberecht Funk

Die Tao auf der taiwanischen Insel Lanyu

Die Tao, die in der ethnographischen Literatur auch als Yami bekannt sind, gehören wie die Minangkabau und Bara der westaustronesischen Sprachfamilie an, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer sozialen Organisation und ihrer kulturellen Vorstellungen stark von diesen beiden. Die 40 Seemeilen von der Südost-Küste Taiwans entfernt liegende Insel Lanyu ist im Landesinneren gebirgig, eine Besiedlung kann nur entlang eines schmalen Küstenstreifens erfolgen. Die zahlenmäßig kleine Gruppe der Tao besteht aus etwa 3000 Menschen, die sich auf sechs Inseldörfer verteilen. Die Tao pflanzen traditionell Taro und Süßkartoffeln an, dem Fischfang kommt eine große wirtschaftliche und rituelle Bedeutung zu. Der Tourismus, der sich jedoch aufgrund der instabilen Wetterverhältnisse auf die Sommermonate beschränkt, ist heute die Haupterwerbsquelle der lokalen Bevölkerung.

Obwohl sich heute viele Tao zum Christentum bekennen, sind die traditionellen animistischen Glaubensvorstellungen nicht zum Erliegen gekommen. Der Glaube an Übel wollende Geisterwesen, welche die Menschen belauschen und ihre Pläne durchkreuzen wollen, ist nach wie vor auf Lanyu sehr präsent.

Die Besiedlung der Insel Lanyu erfolgte vor etwa 800 Jahren von den nord-philippinischen Batan-Inseln aus. Nach wie vor bestehen starke linguistische und kulturelle Gemeinsamkeiten zwischen den Tao und ihren philippinischen Vorfahren. Während der japanischen Kolonialzeit (1895 – 1945) wurde eine Politik der Nichteinmischung betrieben, so dass die Tao ihren traditionellen Lebensstil weitestgehend beibehalten konnten. Ein atemberaubender Transformationsprozess setzte erst in den 1960er und 70er Jahren ein, als die taiwanesische Regierung eine Zwangsumsiedlung in Zementhäuser minderer Qualität forcierte und die traditionellen semi-terrestrischen Behausungen der Tao zerstörte.

In der sozialen Organisation der Tao spielt die Kernfamilie eine wichtige Rolle. Hierin unterscheiden sie sich von den Minangkabau und Bara, bei denen die Großfamilie dominiert. Die Tao leben in einer egalitären Gesellschaft, in der das Streben nach Prestige nicht zu der Herausbildung von sozialen Rängen oder der Institutionalisierung von politischen Ämtern geführt hat. Obwohl schwach ausgeprägte Patrilineages festzustellen sind, ist die Verwandtschaftsstruktur im Wesentlichen bilateral.

Die Arbeitsmigration nach Taiwan hat seit den 1970er Jahren die Biographien vieler Menschen geprägt. Auch wer über eine höhere Schulbildung verfügen möchte, muss Lanyu zu Ausbildungszwecken vorübergehend verlassen. Etwa die Hälfte eines Jahrganges bleibt heute dauerhaft in Taiwan.

Die Feldforschung bei den Tao wurde von Oktober 2010 bis August 2011 in einem Dorf an der Ostküste Lanyus durchgeführt. Neben der Erhebung des indigenen Emotionsvokabulars lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Dokumentation von Emotionsepisoden. Außerdem wurden Interviews zu Sozialisationspraktiken, kulturellen Modellen von Emotion und Entwicklung sowie zu den Erziehungserinnerungen von Kindern und alten Leuten durchgeführt.

Zum Projekt "Sozialisation und Ontogenese im Kulturvergleich"

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